Anti-Wulff-Demo vor Bellevue: Die Aussage kann man nur unterschreiben. (Bild © Focus.de)

Aktuell ist ja Traumwinter in Deutschland: Finanzkrise, die FDP auf Selbstzerstörungskurs, vom Staat “aus Versehen” finanzierter Naziterror… es wird nicht langweilig! Um so besser, dass jetzt auch noch unser Bundespräsident jeden Tag tiefer ins Klo greift, während Angela Merkel daneben steht und pfeifend zuguckt.

Der Bundespräsident ist eher ein nominelles Amt. Wirkliche “Macht” bietet es aus den ersten Blick nicht, dafür ist es aber das höchste Amt im Staat – mit Veto-Funktion für Gesetze. Wenn der Bundespräsi also schon keine eigenen Gesetze einbringen kann, fällt ihm aber doch eine wichtige Kontrollfunktion zu. Und gerade deswegen basiert das Amt sehr auf Vertrauen und Würde: Er ist praktisch der “moralische TÜV” für Gesetze. Um so peinlicher, was Wulff aktuell anstellt.

Dabei hat es im Juni 2010 so gut angefangen!

Wulff wird Bundespräsident, seine Frau hat Tattoos auf Arsch und Arm, wirkt jung und dynamisch. Man hört nicht viel von ihm. Also eigentlich gar nichts. Ab und an hörte man mal, dass die Familie Wulff auf Party X oder einem Staatsempfang in Y waren und eine gute Figur gemacht haben. Ein wirklich nützlicher Bundespräsident ist Wulff also nicht, aber repräsentativ – und naja, immerhin stört er keinen.

Das änderte sich aber nun schlagartig zum Jahreswechsel

Wulff hat Mist gebaut und Kredite erhalten, die er versucht hat zu verschleiern. Bewusst hat er Journalisten verschiedener Zeitungen daran gehindert, ihre Recherchen durchzuführen. Dazu sehr aufschlussreich ist der Artikel “Wie kam die Story ans Licht?” vom NDR-Magazin “Zapp”. Das ist nicht in Ordnung und verstößt gegen die Pressefreiheit.

Weil Wulff aber wusste, dass die Story dazu führen wird, dass jedes Bonbon, das er mal geschenkt bekommen hat, untersucht und ausgeschlachtet wird, musste Wulff wenigstens weitere Recherchen verhindern. Wutentbrannt laberte er BILD-Chefboss Kai “Ich habe kein Gewissen” Diekmann auf den AB. Mit deutlich falscher Wortwahl. Das selbe Spiel wiederholte er dann u.a. noch mit Friede Springer, der Inhaberin des Springer-Imperiums.

Spätestens jetzt wäre es Zeit gewesen, das pinke Schwabbelding zu benutzen, dass seine Mutter immer “Gehirn” genannt hat.

Denn ein AB speichert Nachrichten. Die können so oft abgespielt werden, wie man möchte.

Wie die Geschichte weitergeht ist klar: Mehr Enthüllungen, Entschuldigungen und Peinlichkeiten. Das alleine ist so gesehen schon schlimm genug und beschädigt das Amt unnötigerweise.  Richtig schlimm wird es aber, wenn ein Bundespräsident bockig wird, und öffentliche Briefe an seinen Gegner schreibt, die in etwa folgendes beinhalten:

Mann, das war dein AB, Kai, und nur DU darfst den abhören schluchz, du bist so gemein, ich hass dich voll! Ich find’s ja toll, dass du mir bisher immer geholfen hast, aber jetzt will ich nicht mehr, weil du so unfair bist. Dabei will ich doch im Amt bleiben, weil ich ja eigentlich nichtsnaja nur wenig… nur ein bisscchen was falsch gemacht habe. Hättest du nicht recherchiert, hätte ich nicht angerufen und das wäre besser für uns beide gewesen.

Ich muss zugeben, als die Diskussion mit dem Privatkredit anfing, dachte ich noch: “Privatsache, ist doch wurscht”. Nach dem peinlichen Auftritt im Fernsehen hat sich das aber geändert.

Nicht der Skandal ist der Skandal. Sondern Wulffs Umgang mit dem Skandal

Wulff schafft es mit jedem Auftritt tiefer in die Toilette zu greifen. Wenn man Mist baut – und das in einem Amt, das auf Würde und Vertrauen basiert! – hat man entweder die cojónes das zuzugeben und sich dafür zu entschuldigen, oder den Anstand das Amt aufzugeben.

Warum stellt sich Angela Merkel so unauffällig an den Rand und spielt alles runter?

Stellen wir uns mal vor, wir sind Bundeskanzlerin und haben es tatsächlich vor knapp zwei Jahren geschafft, jemanden ins Amt zu heben, der einem echt gut passt: Wulff schweigt oft bei Streitfragen, ist CDU-Mitglied und ist generell so konfliktfreudig wie ein Faultier. Die Strategie muss also “runterspielen” lauten. Bloß nicht absetzen!

Wir harren also der Dinge, die da kommen mögen.

Vielleicht tritt Wulff ja noch bei “Verzeih mir!” auf. Dann hätten wir endgültig den Tiefpunkt der Würde erreicht.

 

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hatte ich Bettina Wulff mit Stefanie zu Guttenberg verwechselt und behauptet, sie habe was mit Tatort Internet zu tun. Das war Unsinn, zeigt aber auch die Profillosigkeit der beiden Damen. Sorry!